SJ98

Dass man früher, nach diversen Fehlschlägen, an sich zweifelte, an seinen Fähigkeiten. Dass man sich vor Scham drücken wollte und versprach, sich zu bessern. Dass man seine gesamten Handlungen und Reden nach anderen, meist der Dozentin, ausrichtete. Dass man wie ein dressiertes Äffchen an der Leine hin und her sprang, immer auf der Hut, nichts falsch machen, nichts Falsches zu sagen. Auch immer beobachten, ob es den jeweiligen Personen auch gut erginge. Dass man die Antennen ausgefahren hatte. Dass man sozusagen immer auf Empfang war, weil die anderen ständig sendeten. Dass man aber heute, nach Fehlschlägen, die man sich schon gar nicht mehr anlastet, in sich hinein grinst und das Dasein des Arschlochs damit unterstreicht. Dass man sich heute tatsächlich amüsiert, gerade über diese Fehlschläge. Nun gut, das sind nicht wirklich Fehlschläge, nicht mal im entferntesten Fehler, sondern Kleinigkeiten, die einfach nur wieder Mehrkosten verursachen. Flüchtigkeitsfehler bei der Gestaltung… aber trotzdem! Man sitzt hier und notiert – noch immer. Der Besuch könnte ja etwas denken, das einen in die Ecke eines Verlierers drängt. Blicke, Aussagen, Handlungen, auf alles ist zu achten. Die Menschheit schläft nie. Und Ihre Filme stehen nie still. Ständig umkreisen sie einen mit ihren Aufmerksamkeitsdefiziten. Ständig brüllen sie etwas in den Raum, meist unwichtige Bemerkungen über ihre Vorhaben. Dass sie den gesamten Raum in Anspruch nehmen und immer mehr Platz brauchen, merken sie nicht. Das ist selbstverständlich.

Sonne satt. Warmes Wetter. Einige erzählen etwas von Klimaveränderung. Andere von Verschwörungen. Wem man glauben darf und wem nicht, bleibt einem selbst überlassen. Man muss sich schon seine eigene Meinung bilden. Ein Klima ist wohl nichts Konstantes, oder? Und eine Veränderung etwas, das immer in Bewwegung ist – physisch wie energetisch. Aber man lässt sie alle ihre Erfahrungen sammeln. In vielen Momenten ist manchmal unerträglich wie groß Dummheit sein kann und gerade diese Dummheit sich aufplustert zu einem ordinären Pfau. Dass es da an Reflektion fehlt, die einen innehalten lässt, Hinterfragung der Sachlage, in sich gehen, Zweifel vielleicht. Das Fehlen erst macht es möglich, sich unweigerlich zu blamieren, ohne dass man es bemerkt. Gestern der Mann, mitten im Gespräch brach es aus ihm heraus und er musste sich Luft machen. Dass er vielleicht mit seiner Meinung gar nicht gefragt war, man ihn nicht mal kannte, bemerkte er nicht. Er mischte sich ins Gespräch und wollte nur, wie sie alle, etwas los werden.
Alle wollen immer oder müssen immer etwas los werden. Dass es immer der kruse Inhalt ihres Kopfes ist, den sie einem präsentieren. Ungefilterter Unsinn, der uns nichts angeht. Aber sie drängen immer weiter vor und greifen an, schlängeln sich einem um den Hals und würgen und würgen.
Im Atelier nur Besuche und somit keine Produktion. Kurzes Malen am Computer, kurzes Schieben von Dateien und die Ersten standen bereits unangemeldet in der Tür. Und dann geht es los. Unaufhörliches Geschwafel, das man es durch sich hindurch schießen lässt. Schon beim Aufstellen der eigenen Dinge Einmischung und Handgreiflichkeit. Dass man wohl nicht verstünde. Und gleich Beweise für die Annahme. Dummheit kennt keine Grenzen, so und so. War der eine verschwunden, kam eine anderer und die Stunden flossen weg wie der Dreck in den Abfluss. Am Ende des Tages. Ach, und der Besuch. Und nun der Umstand einer angeblichen Verständigung. Auch hier gleich Beweise. Dass man der alten Dame lauscht und niemand wundert sich, was für einen unsaglichen Unsinn sie daher redet. Dass man sich bewegen muss. Man muss nur machen. Anfangen muss man. Ja, und dass es genug zu tun gibt. Und immer müsste man schaffen, etwas erledigen. Wie schön sauber die Fenster seien.

 

 

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