Immer mit der Ruhe

Dass man dann nun heute noch eine Erfahrung sammeln darf und dann in einenwohlverdienten Langzeitschlaf dümpelt. Dass es nur die eine Veranstaltung noch ist, die man zu bewältigen hat – das klingt, als ginge man zu irgendeiner Tauglichkeitsprüfung – um dann in den herrlichsten aller Monate hinein zu schlüpfen, den November. In Grau gekleidet, wie immer grimmig und wortkarg, friesisch mit dünnem Mund und gekniffenen Augen. Dass man dann vorerst sich auf, ja, tatsächlich, die Zeichnerei stürzen kann. Dass man ja seit Corona eigenlich nichts produzierte, außer irgendwelche Aufträge, die aber kein Bedienen der Eitelkeit beinhalteten. Dass man dann auch, nach der kreativen Arbeit, hier mal aus dem Haus muss, wenn Corona nicht einen Strich durch die Rechnung macht. Dass man schon angekündigt hat, die Mutter zu besuchen. Dann einfach weg hier und das alles, was einen immer nur verunsichert, anstatt aufzubauen, hinter sich zu lassen. Im alten Heim dann vielleicht Ruhe finden; jedenfalls sollte es da nichts nennenswert Kompliziertes geben, das den Alltag vergiften könnte. Dass man Abstand braucht. Dass der Stresspegel soweit angestiegen ist, dass es an Konzentration fehlt und man schon anfängt zu stottern, nur wenn man mal igrendeinen Satz von sich gibt. Heute also überstehen und dann ins Wochenende.
Rückblick in die letzte Woche, wo nichts entstand, aber selbst der irdische Taugenichts hat noch eine Chance geistig aufzuwachen und anderes zu entdecken, als immer nur die vielen Anstrengungen der Menschen, die allesamt nach Aufmerksamkeit lechzen. Trotzdem ist man aber unzufrieden, als müsse man jeden Tag eine gute Tat vollbringen, einen Baum pflanzen, ein Buch schreiben und das wohl größte und spektakulärste Bild malen… wobei man dazu rein handwerklich überhaupt nicht in der Lage wäre. Die letzte Woche in ruhiger Taubheit verbracht. Keine kreativen Ergüsse, keine weiteren Erkenntnisse, nur ein Dahindämmern in alkoholumnebelter Stille.

Und dass man sich immer noch von den Menschen irritieren lässt. Dass jeder einem irgendwas erzählt und man es eigentlich besser weiß. Dass immer Erklärungen abgegeben werden, wo keine verlangt sind. Erläuterungen zur eigenen Erbauung… ja, das weiß ich, oh ja, das kenne ich auch… ja, ich hab so viel zu sagen… usw.
Heute also am Abend die Erlösung und hoffentlich die Senkung des Stresspegels. Dass man aber schon immer mit einem guten Wissen trumpfen konnte und die Leute hörten zu ein nickten und sagten: „Ah, ach so!“

Die Person in guter Laune. Nach fast 15 Stunden im Zimmer kam sie heute morgen zum Duschen herab und poltert nun wieder durch das Haus. Dass all die Erledigungen ihre Entscheidungen sind und waren. Die Ernährung. Diese vielen Dosen und Fläschchen, die vielen Pulver und Pillen, alles getränkt in vollkommener Verwöhntheit. Dass ihr Leben, das Leben der Person immer von anderen bezahlt wurde. Dass das aber auch keinen Unterschied mehr macht, weil es immer wieder nur auf die eigene Person ankommt, also auf mich… was schert mich diese unglaubliche Verlogenheit? Genau! Überhaupt nicht…

Dass man doch eigentlich nichts weiß…

Dass man, je älter man wird, immer weniger versteht, obwohl man doch all die Jahre lernte und sich die Welt und die Menschen vertraut machte. Dass man die Eltern verstand, ihnen irgendwann einfach vergeben musste, weil sie auch ohne jedes Wissen auf der Welt herum irrten. Dass man die Frauen, die man kennen lernte, einfach wieder vergaß und auch all die Ereignisse, die mit ihnen zusammen hingen verschwunden sind. Dass die Partnerin auch nie eine Partnerin werden kann, weil man dazu eben ein Team aus Aufrichtigkeit und Vertrauen aufbauen muss. Dass man am Ende tatsächlich nur allein den Weg gehen kann, so sehr man sich auch Unterstützung wünscht, egal von welcher Seite; anfangs den Eltern, dann den Freunden, den Partnerinnen… und dass man wieder und wieder aber erlebt, und das ist letzten Endes tatsächliches Wissen, dass es nur allein geht. Jeder für sich. Es kann keine Zweisamkeit geben. Dass all dieser Quatsch von Verbundenheit nur eine Anziehung der gleichen Art ist, um für sich allein, zu lernen, zu erleben und dann zu wissen, was ES ist – das Leben. Dass man aber unweigerlich irgendwann dahin kommt, zu wissen, dass man wirklich nichts weiß. Dass man zwar sagen kann, so und so funktioniert das, meinetwegen nach den Physikalischen Gesetzen, aber dass das eben nur hier gilt, auf der Erde, im grobstofflichen Bereich. Dass es aber viel mehr gibt, als nur das. Dass da aber die Vorstellungskraft des Menschen, also meine, nicht ausreicht, um sich in diese anderen Bereiche einzuleben. Erst, wenn man so ist, wie die Art in diesen Bereichen, ahnt man, was ES ist – das Leben.

Sehr nebelig heute. Auch voller Aufregung schon wieder, was denn heute wohl auf einen zukommt, aufgewacht. Halb sechs Uhr. Mit Mücken gekämpft. Dass die nicht zum LIcht wollen, sondern zum Atem des Menschen. Dass sie angezogen werden durch das Kohlenmonoxid. Dass man dann nicht lange pausierte, sondern sich anzog und gleich losmarschierte. In Gedanken immer wieder die Worte vorgeplappert, die man morgen dann sagen will. Dass es seit Wochen so geht und man vor Aufregung nichts mehr machen kann. Dass sich dieser Stress immer mehr ausbreitet und man gefangen genommen wird, wenn man nicht rechtzeitig dagegenwirkt.
Heute dann Vorbereitung und ein erneutes Aufraffen, dass man mal in irgendeinen Flow hinein kommt. Dass das natürlich stets unterbrochen wird von all den Erledigungen der Person, die schon wieder mit all ihrer Energie das Schwert durch das Haus wirft, um dann wieder zurück zu fallen in ihre elende Starre… Dass sie jetzt immer so da sitzt, schnaufend und prustend, als hätte sie Hinkelsteine durch die Zimmer gehievt. Dass sie alle Aufmerksamkeit braucht und auch verbraucht. Dass  man sich jetzt aber wieder heraus zieht und nichts sehen und hören will.

Also nochmal: Vorbereitung und Notizen, zeichnen, wenn dann mit Kopfhörer, dass man das Getöse nicht hören muss. Und am Abend die verdiente Entspannung. Dass morgen auch noch Zeit ist für eine gute Vorbereitung. Dass man doch am Ende alles weiß, was man sagen will. Dass es natürlich gut ist, eine gewisse Aufregung zu haben, die bringt ja auch Energie, aber wenn das ausartet in Stress wird es ungesund und man kommt zu nichts, weil sich alles nur im Kreise im Kopfe dreht.
Krachen und Knallen. Rumpeln und Donnern. Brüllen und Keifen. Schlagen und Treten. Und hochsensibel über die Diele rutschen. Dass man am Ende nichts mehr wissen will.